Niederscheidweiler

Niederscheidweiler


Die Pfarrkirche Sankt Hubertus in Niederscheidweiler
Die erste Erwähnung der Kirche findet sich in einem Visitationsprotokoll des Trierischen Archidiakons Johann von Vinstingen aus dem Jahre 1475.
Die Gemeinde unterstand der Pfarrei Gillenfeld, mit der sie 1016 durch Heinrich II. an das Stift St. Florin in Koblenz gegangen ist. Trotz ihrer Unterordnung unter Gillenfeld, hatte die Gemeinde Niederscheidweiler schon 1569 das Allerheiligste, die heiligen Öle und ihren eigenen Friedhof, was auf eine gewisse Selbständigkeit schließen lässt.

Am 10. Februar 1684 erklärte der Trierer Weihbischof Burmann Niederscheidweiler zur selbstständigen Pfarrei mit ihrem ersten Pfarrer Bernhard Cloff aus Luxemburg. Bis zur Französischen Revolution behielt das Stift St. Florin aber noch das Patronat über Niederscheidweiler.

Die heutige Kirche ist auf den Resten eines ausgedehnten römischen Landhauses aus dem 3. und 4. Jahrhundert nach Christus gebaut. Teilweise sind die Heizungsschächte sowie die Konstruktion der Fußbodenheizung noch erhalten. Einige Ziegel dieses ersten Bauwerks finden sich im Mauerwerk der heutigen Kirche.

In den Wirren der Völkerwanderung, die das Ende des Römischen Reiches herbeiführte, wurde wahrscheinlich auch die Villa von Niederscheidweiler zur Ruine. Erst als die fränkische und wohl schon christliche Bevölkerung an dieser Stelle ein Dorf gründete, wurde im größten Raum der Ruine eine Kapelle eingerichtet.

Heute grenzt an dieser Stelle der Westturm an das Kirchenschiff. Der Kirchturm wurde im 12. oder 13. Jahrhundert vor der Kapelle errichtet.

Während des Mittelalters wurde die Kirche mehrmals umgebaut und erweitert, was durch die Fundamente unter dem heutigen Kirchenschiff nachgewiesen werden kann. Aus dieser Zeit stammt ein romanischer Fenstersturz, der im Innenhof zwischen Kirche und Sakristei über der Muttergottesnische eingemauert ist. Außerdem befindet sich in der Nordwand des Neubaus das Maßwerk eines gotischen Fensters.

In der Mitte des 18. Jahrhunderts war die Kirche in einem schlechten Zustand und viel zu klein. Der eifrige Pastor Johann Ignatius Bermelmans wollte Abhilfe schaffen, doch das Stift St. Florin verweigerte nicht nur die Baugenehmigung sondern auch die finanzielle Unterstützung. Erst1805 konnte der Pastor die Baugenehmigung bekommen. St. Florin war inzwischen der großen Revolution zum Opfer gefallen und Niederscheidweiler unterstand nun der französischen Verwaltung der Mairie Osann.

In den Jahren 1806/07 wurde die Kirche dann nicht nur renoviert, sondern auch neu erbaut und mit einigen Kostbarkeiten aus aufgelösten und zerstörten Klöstern der Umgebung bestückt.

Die heutigen Mauern des Langhauses stammen aus dieser Zeit, sowie die große Figur der Mutter Gottes, die Brüstung der Empore, der Beichtstuhl und zwei Bänke eines klassizistischen Chorgestühls.

Am 6. November 1966 wurde die Kirche in ihrer heutigen Form durch den Weihbischof Dr. Bernhard Stein konsekriert.

Der wittlicher Architekt Fritz Laux stellte sich zuvor der schwierigen Aufgabe Altes und Neues in der Kirche in Einklang zu bringen.

Neben den bereits erwähnten Dingen, wurden noch das aus dem 18. Jahrhundert stammende Kreuz, eine auf das Jahr 1702 datierte Ofenplatte (Friedhofskapelle) und die um das Jahr 1500 hergestellte Statue des Pfarrpatrons integriert.

Künstler der neueren Zeit brachten sich auch in die Kirche ein. So gestaltete Hanns Scherl aus Wittlich den Altar, das Altarkreuz, den Taufbrunnen, den Sockel der Hubertusfigur und das Relief des hl. Laurentius an der Außenseite der Nordwand.

Von dem Wittlicher Silvio dell’ Antonio stammen der Grundstein und der Engel auf der Vierung des Daches. Die Fenster und der Kreuzweg wurden von Egon Franzen aus Trier kreiert.

Aus der Werkstatt des trierer Goldschmieds Hans Alof stammen der Altarleuchter und der Ambo.

Die Franziskanerin Schwester Eberhardis schuf die Madonna in der Muttergottesnische im Innenhof zwischen Kirche und Sakristei.

So kann die vom Geist verschiedenster Zeiten geprägte Kirche getrost in die Zukunft blicken.

Das römische Grabmal in Niederscheidweiler

Im Flur „Thumen“ wurde im Jahre 1913 eine besonders interessante und gut erhaltene Grabmalkrönung in Eiform auf viereckigem Postament von Herrn Josef Hayer (Schoschtisch Jupp) entdeckt. Das Original dieses Fundes wird im Trierischen Landesmuseum aufbewahrt.

Auf dem Bild oben ist eine Nachbildung dieses Pinienzapfens zu sehen.

„Grabmalbekrönung aus Kalkstein. Ganze Höhe 1,11 m, Basis 0,38 m breit und tief. Das eiförmige Oberteil und die schmale Verbindungstrommel waren gebrochen, ließen sich aber ohne Mühe zusammenfügen und ergänzen. Der Aufbau gliedert sich in viereckigen Würfel, dessen obere Kante ein wenig abgeschrägt ist, einem niedrigen Cylinder, der mit zwei Rillen verziert ist, und einen schlanken zylindrischen Hals mit auskragendem breiten Rand, über dem sich das eiförmige Oberteil erhebt. Dieser letztere ist vermutlich als Pinienzapfen aufzufassen, dessen Schuppen nur in Malerei angegeben waren. An der Unterseite befindet sich ein Zapfenloch. Das ganze rührt sicherlich von einem Grabmal her. Die Flurbezeichnung „Thummen“ ist wie häufiger in unserer Gegend als Tumba zu deuten mit Beziehung auf das ehemals dort vorhandene römische Grabmal.“